Die Finanzkrise und die Gier der kleinen Leute

16. August 2011 Andreas Sator 4 Comments

Die Presse taufte ihn den “Kapitalismus-Professor“. Michael Hörl, Lehrer für wirtschaftliche Fächer an einer Tourismusschule, ist genau das, was ein Land wie Österreich jetzt braucht. Der gebürtige St. Pöltner kämpft mit seinem Buch “Die Finanzkrise und die Gier der kleinen Leute” gegen die ewige Jammerei und die vorherrschende wirtschaftliche Unbildung im Land der Berge an.

Für ihn sind nicht Spekulanten oder Banken an der/den Krise/n schuld, sondern der kleine Mann und seine ewige Gier. Banken und Anleger haben zwar von der Geldschwemme der amerikanischen Notenbank massiv profitiert, das Geld gedruckt hat aber immer noch die FED. Auf politischen Druck hin. Und die Subprime-Krise? Ausgelöst durch Initiativen von Clinton wie Bush, die dem kleinen Mann sein Eigenheim finanzierten. Fast nirgends sind so viele Menschen im Besitz eines Hauses wie in den USA, was aber seinen Preis hat. Nämlich das Umstoßen des ersten Dominosteines, der zu einer globalen Finanzkrise geführt hat. Aber egal, die Politiker werden wiedergewählt und das kurzsichtige Volk ist begeistert.

Steueraufkommen und die Mär vom bösen Spekulanten

Manchmal schießt Hörl aber auch über das Ziel hinaus. So fällt er wie so manch Konservativer in die Falle und spricht dem kleinen Mann seinen Beitrag am Steueraufkommen ab. “Von den kleinen Leuten kam rein gar nichts”. Viele zahlen keine Lohnsteuer – ja, aber das Steuersystem in Summe ist in Österreich alles andere als progressiv.

Wo der Kapitalismus-Professor aber absolut den Kern trifft ist die Abrechnung mit der ewigen Spekulantenjammerei. Wenn jemand sein Auto verkauft oder eine Uhr auf ebay versteigert, will er natürlich das Maximum herausholen. Seinen Profit also maximieren. Wenn das Investoren machen, die noch dazu oft das Geld des kleinen Mannes verwalten (Pensionsfonds, auf Bank angelegtes Geld), dann ist das natürlich unmoralisch. Spekulanten, so Hörl, lösen keine Krisen aus – sie profitieren maximal von ihnen.

Linke Inkonsequenz bei der Suche nach den Gierigen

Wenn der kleine Mann über Gier schimpft, dann schimpft er natürlich nicht über sich selbst. Er schimpft auch nicht über Reinhard Fendrich oder einen Franz Beckenbauer. Über Herbert Stepic, den Vorstandsvorsitzenden von Raiffeisen International (RI), schon eher. “Es ist dem Durchschnittsbürger heute klar, dass er nicht so gut singen kann wie [ersterer] und so toll Fußball spielt wie [zweiterer]. Wenn aber Herbert Stepic von RI in 10 Jahren einen Konzern mit 68.000 (!) neuen Arbeitsplätzen aufbaut, ist das selbstverständlich. Der linke Mainstream rechnet kunstvoll vor, wie unverschämt hoch die Gage von Topmanager Stepic im Vergleich zu einem rumänischen Schalterbeamten wäre. Sie tun das nicht bei Fendrich oder Beckenbauer.”

Hörl argumentiert schlüssig, manchmal verkürzt, aber meistens fair. Und er meint es gut. Globalisierung oder die Orientierung eines Unternehmers auf Gewinn seien in der heutigen Zeit in einem Ausmaß verpönt, der im Vergleich zu ihren Verdiensten für die Menschheit jeglicher Relation widerspreche. Wäre sein Buch Pflichtlektüre für jeden Österreicher, das Land würde ein Besseres werden. Egal wie man zu manchen Positionen stehen mag, die knapp 400 Seiten umfassen einiges an allgemeiner Wirtschaftsbildung und decken vor allem die meist nicht wahrgenommene Ursache an den horrenden Schulden heutiger Staaten auf: Die Gier und Ignoranz des kleinen Mannes und Wählers.

Andreas Sator

Hat zuwi.at gegründet und studiert in Wien. Mehr von ihm gibt es laufend auf Twitter (folgen) und in ausführlicherer Form auf Facebook (abonnieren).


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4 Comments → “Die Finanzkrise und die Gier der kleinen Leute”

  1. Der Gute ;) 6 years ago  

    Die linke Inkonsequenz? Hmmm könnte mich nicht erinnern, dass ein “Linker” das Vermögen von Reinhard Fendrich oder eines Beckenbauers nicht versteuern würde, aber vielleicht kannst du mir ja einen Link oder einen Nachweis schicken, in dem der Linke zwischen den Reichen unterscheidet? Warum die beiden nicht so in der Verruf geraten, wie irgendwelche Topmanager ist der, weil die Kapitalakkumulation :) nicht auf Schultern anderer maximiert werden.
    Abgesehn davon ( dein BSP.: Auto verkaufen bzw Uhr versteigern lassen) das Kapital anderer in den Sand zu setzen ist wieder eine andere Geschichte. Was die Manager mit ihrem Geld machen, bleibt doch ihre Sache. Jedoch mein Erspartes, das ich mein lebenlang auf die hohe Kante gelegt habe, einfach zu verpulvern, trägt andere Ausmaße. Möcht ich doch sehn was dem kleinen gierigen Mann wiederfährt, wenn er seine Steuern nicht zahlt (was bei vielen Managern, aufgrund von Stiftungen, Gang und Gebe ist)

    Freue mich auf deine Antwort

    mfg Kamber achja Rechtschreib-, Grammatik-, und Inhaltliche-Fehler enthalten :)

  2. Andreas 6 years ago  

    Hey, schön das du vorbeischaust!

    Linke Inkosequenz zu argumentieren ist natürlich schon mal von daher schwierig, weil es ein Pauschalurteil ist, welche in Diskussionen fast immer fallen. Man kann da nur mit subjektiver Wahrnehmung kommen. Und ich nehme es – wie auch der Autor des Buches – wahr, dass es mittlerweile zum common sense in Österreich (und nicht nur hier) wird, dass Banken schlecht sind und jeder Reiche enteignet gehört. Klingt übertrieben, ist es auch, höre ich aber immer öfter.

    Und worauf das Schlagwort eigentlich anspielt: Wie oft hörst du jemanden über das Vermögen von Filmstars jammern? Und wie oft kriegst du das bei Unternehmern, Managern oder sogar Politikern mit? Komisch, diese Dissonanz. Vielleicht geht es gar nicht um Gerechtigkeit, sondern nur um das “Gönnen”, also um den Neid?

    Mich bitte nicht falsch verstehen. Ich halte ein gewisses Maß an Gleichheit in einer Gesellschaft für essentiell. Ich bin auch der Meinung, dass man bei den oberen Vermögen viel mehr holen kann und soll als jetzt. Die gehässige Stimmung, die nicht nur ich so wahrnehme, gefällt mir aber ganz und gar nicht.

    LG,
    Andreas

  3. Der Gute ;) 6 years ago  

    Sehr gerne, bin über deinen Artikel ” Wie retten wir den Euro” darauf aufmerksam geworden. Hab dann Karl Marx gesehn und dachte na da schau ma mal rein :)

    Naja ehrlich gesagt gibts nicht soviele Stars und Sternchen, deren Vermögen einem Topmanager gleicht. Abgesehn davon ist der Neid ein spezielles Erbgut von uns Österreichern vergleichbar mit dem jammern. Das gehört einfach zu unserer Identität :)

    LG

  4. kenhduanhanoi.info 2 weeks ago  

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