Kapitalismus und Freiheit

26. März 2011 Andreas Sator 2 Comments


Kapitalismus und Freiheit” gehört definitv ins Bücherregal jedes politisch und wirtschaftlich interessierten Menschen. Das liberale Standardwerk des Ökonomen Milton Friedman († 2006) setzt sich grundlegend mit der Aufgabe des Staates in einer modernen Marktwirtschaft auseinander und ist, auch wenn die erste Ausgabe bereits vor knapp 50 Jahren veröffentlicht wurde, noch genauso aktuell wie dazumals.

Zu großen Teil zumindest, denn in einem Kapitel setzt sich Friedman mit dem damals vorherrschenden Bretton-Woods-System (feste Wechselkurse) auseinander und macht der Politik ein flexibles Wechselkurssystem schmackhaft, dass einige Jahre nach Publikation auch so umgesetzt wurde.

Ideenbombe Friedman

Friedman argumentiert prinzipientreu aus liberalen Gesichtspunkten, wobei sich der nicht durchwegs liberale Leser (als den ich mich sehe) manchmal einen etwas pragmatischeren Zugang wünschen würde.

Er ist reich an Ideen und hat eine große Palette an Vorschlägen in petto. Mehr Marktwirtschaft im Bildungsbereich wagen, staatliche Antidiskriminierungsgesetze abschaffen oder eine negative Einkommenssteuer als Ersatz für alle existierenden Sozialleistungen – Friedman hat für fast jeden politischen Bereich eine Lösung parat, die ihmzufolge der Freiheit und dem Wohlstand der Menschen förderlich wären.

Staats- und Marktgläubigkeit

Freiheit, ein Wort das mehr als einmal im Buch vorkommt. In Friedmans Augen ist Freiheit das um und auf in einer Gesellschaft, dem Staat gegenüber ist er sehr misstrauisch eingestellt. Er kritisiert die naive Einstellung vieler Staatsgläubiger, dass öffentlich Bedienstete im Interesse des Gemeinwohl agieren würden und nicht als individuelle Nutzenmaximierer.

Man kann dem in der University of Chicago lehrenden Friedman aber durchaus vorwerfen, dass er in die selbe, nur eben auf der anderen Seite des politischen Spektrums lauernde Falle tappt und den Markt als allheilendes Wundermittel missinterpretiert. Die Vorzüge einer Marktwirtschaft liegen auf dem Tisch, mit seinen Forderungen geht Friedman meines Erachtens aber mehr als einmal zu weit.

Staatliche Eingriffe im sozialen Bereich

Was mich bei der Lektüre des sehr angenehm geschriebenen Buches überrascht hat, war der Schluss, den Friedman aufgrund von Nebeneffekten (aus einer Handlung eines Individuums resultiert Nutzen, denn nicht nur das handelnde Individuum gewinnt) im sozialen Bereich geschlossen hat.  Überraschend deshalb, weil ich diese Linie von liberalen Diskutanten, die normalerweise argumentativ sehr nah bei ihren berühmten liberalen bis libertären Vordenkern angesiedelt sind, so nicht kannte. Friedman drückt es folgendermaßen aus:

Man mag argumentieren, dass private Wohlfahrt unzulänglich sei, dass ihre Vorteile anderen Menschen zugute kommen als denen, von denen die Zuwendungen stammen – [...] ein Fall von Nebeneffekt. Der Anblick der Armut beunruhigt mich, ich profitiere vom Abbau der Armut; ich profitiere jedoch gleichermaßen, wenn ich selbst oder jemand anders den Ausbau finanziert; die positiven Folgen der Wohltätigkeit anderer Menschen kommen mir daher teilweise zugute. Um es anders auszudrücken: Wir wären vielleicht allesamt dazu bereit, zur Beseitigung der Armut beizutragen, vorausgesetzt (Hervorhebung Friedman), jeder beteiligte sich daran. Ohne eine derartige Zusicherung würden wir vielleicht nicht den gleichen Betrag aufbringen. [...] Angenommen, man akzeptiert diese Erwägungen als Begründung staatlicher Maßnahmen zur Bekämpfung der Armut, so wie ich es tue. (Friedman 2010: 233)

Egal ob man mit liberalen Ideen etwas anfangen kann oder nicht – dieses Buch ist ein must read und bietet Zugänge, die zumindest im europäischen Mainstream der heutigen Zeit wenig Beachtung finden. Alleine deshalb ist es als Erweiterung des persönlichen Wissenshorizonts empfehlenswert, den Klassiker eines großen Denkers einige Stunden an Lesevergnügen zu widmen.

Andreas Sator

Hat zuwi.at gegründet und studiert in Wien. Mehr von ihm gibt es laufend auf Twitter (folgen) und in ausführlicherer Form auf Facebook (abonnieren).


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2 Comments → “Kapitalismus und Freiheit”

  1. R. 10 months ago  

    *must KOTZ*

  2. K. Reiter 3 months ago  

    Neoliberale Ideologie als “must read”, na danke. Lies einmal das Kapital Burschi

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