Das Griechen-Hilfspaket II im Detail

22. Juli 2011 Andreas Sator No Comments

Gestern Abend überschlugen sich die Meldungen zur erneuten Rettung Griechenlands durch die Eurozone. Nachdem sich die ersten Wellen gelegt haben, liefere ich heute mit Blick auf das schon ruhigere Meer eine kurze Zusammenfassung der gestern beschlossenen Maßnahmen.

IN 4 SÄTZEN:

Griechenland muss von seinen Schulden weniger und mit geringeren Zinsen zurückzahlen und hat dafür mehr Zeit. Der private Sektor soll ins Boot geholt werden und Anleihen tauschen, das wird von den Ratingagenturen wahrscheinlich als “selective default” gewertet werden. Um Liquiditätsprobleme von Banken zu verhindern (diese dürften griechische Anleihen dann bei der EZB nicht mehr als Sicherheit für aufgenommene Gelder verwenden), wollen die Euroländer das Risiko für die Anleihen übernehmen. Griechenland muss sich bis de facto 2020 kein Geld mehr auf dem Finanzmarkt aufnehmen (geht man davon aus, dass die Anleihentausche so wie anscheinend vereinbart über die Bühne gehen) und soll diese Zeit für strukturelle Reformen nutzen.

Summa summarum: Ein Mini-Haircut. Die Eurozone hat sich im Fall Griechenland jede Menge Zeit erkauft und glaubt anscheinend, den hinkenden Jungen mit leerer Geldbörse und kaum nutzbarem Know-How in ein paar Jahren zu einem auf dem Arbeitsmarkt bestehenden Mann erziehen zu können. Man darf mit einer ordentlichen Portion Skepsis gespannt auf die weiteren Entwicklungen blicken .

Die Ergebnisse im Detail:

  • Griechenlandhilfspaket mit zusätzlichem Kreditvolumen von 109 Milliarden € bis Mitte 2014
  • Fristigkeit von Hilfskrediten von 7,5 auf 15 bis 30 Jahren verlängert (ESFS-Gelder) + Reduktion Zinssatz auf 3,5% (auch für Irland und Portugal)
  • Rettungsschirm darf Anleihen auf Sekundärmarkt kaufen (Sarkozy bezeichnet den mit mehr Kompetenzen ausgestatten ESFS als europäischen Währungsfonds) und tut das auch gleich: 20 Milliarden des Hilfspakets werden für den Ankauf griechischer Anleihen im Wert von knapp 33 Milliarden verwendet (das soll die Schuldenquote laut Presse um 12% verringern) – sollte das zu Finanzierungsproblemen bei griechischen Banken führen, ist man gewillt, diese zu rekapitalisieren
  • Der ESFS bzw. ab 2013 ESM kann Kredite an Regierungen vergeben, damit diese Finanzinstitutionen rekapitalisieren können
  • Private Gläubiger verlängern die Fristen von bis 2014 auslaufenden Anleihen im Wert von 37 Mrd. und behalten weitere 56 Mrd., die zwischen 2014 und 2020 fällig werden (das hat die Konsequenz, dass Griechenland de facto bis dahin vom Finanzmarkt genommen wird)
  • Für die Beteiligung des Privatsektors gibt es darüber hinaus 3 Modelle:
    1) Tausch der Anleihen in solche mit gleichem Nennwert, aber 30 Jahre Laufzeit und geringerer Zinsen
    2) Tausch der Anleihen in solche mit niedrigerem Nennwert, 30 Jahre Laufzeit aber mit höheren Zinsen wie dem Modell zuvor
    3) Tausch der Anleihen ebenfalls mit Abschlag, aber nur mit 15 Jahren Laufzeit
  • Die Auszahlung der Anleihen wird außerdem vom ESFS garantiert! Das entspricht einer Haftung der Euroländer für die griechischen Schulden
  • Es soll einen Marshallplan für Griechenland geben, der Wachstum und Investitionen sichern soll (in der offiziellen Version des beschlossenen Dokumentes kommt zwar das Wort Marshallplan im Gegensatz zu einem etwas älteren Entwurf nicht mehr vor, der Inhalt bleibt aber der gleiche)
  • Mit Nachdruck wird auf eine rasche Umsetzung des Stabilitäts- und Wachstumgspaktes und verstärkter makroökonomischer Überwachung der einzelnen Länder hingewiesen

Quellen: derstandard.at, diepresse.com, telegraph.co.uk, Statement by the Euro area leaders, ftd.de

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Bild  © Manfred Nuding / PIXELIO

Andreas Sator

Hat zuwi.at gegründet und studiert in Wien. Mehr von ihm gibt es laufend auf Twitter (folgen) und in ausführlicherer Form auf Facebook (abonnieren).


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