9. November 2011 Andreas Sator 4 Comments
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Trotz der Ankündigung Berlusconis, sich aus der Politik zurückzuziehen, spielen die Finanzmärkte gerade verrückt. Die Zinsen für 10-jährige italienische Anleihen sind seit heute früh bereits um über 9% gestiegen. Wir berichten aufgrund der Brisanz und der möglichen Auswirkungen auf ganz Europa ab jetzt LIVE von den Geschehnissen.
23:01
Die 10-jährigen Anleihen Italiens beenden den Tag bei 7,25%. Das ist deutlich niedriger als die 7,40 des Morgens, aber mittelfristig trotzdem viel zu hoch für Italien. Mohamed El-Erian, der Vorstandsvorsitzende des riesigen Investmentfonds PIMCO, liefert in der FT eine brauchbare Analyse was jetzt geschehen muss um das Ruder zu wenden. Seine abschließenden Worte:
With neither the region nor the global economy in a position to afford many more slippages, let us hope that this latest development will serve as a loud, urgent and effective call for proper diagnosis and comprehensive action.
Also liebe Politik: schön langsam sollte man sich dann einmal wirklich etwas einfallen lassen.
16:17
Nachdem die 10-jährigen Anleihen bereits auf 7,26% zurückgegangen sind, sind sie nun wieder auf 7,35% gestiegen. Italien wollte morgen eigentlich 5-jährige Anleihen ausgeben, die werden derzeit mit einer Verzinsung von 7,63% gehandelt. Das wäre ziemlich teuer. Wahrscheinlich zu teuer. Dass 5-jährige Anleihen höher verzinst sind als 10-jährige zeigt, wie panisch die Händler derzeit agieren (normalerweise gilt: je länger man Geld für etwas bindet, desto mehr will man im Gegenzug dafür haben). Es heißt weiter abwarten, was die EZB bzw. Italien macht.
14:21
Die WELT beleuchtet den Mythos der 7%.
14.4.2010: Griechenland über 7%. 23.4.2010: Griechenland beantragt Hilfe
1.11.2010: Irland über 7%. 21.11.2010: Irland beantragt Hilfe aus EFSF
10.11.2010: Portugal über 7%. 6.4.2011: Portugal beantragt Hilfe aus EFSF
13:54
Die Zinsen sinken auf 7,33%. ZeroHedge twittert: “Rumor ECB coming in now”.
13:10
Zwischendurch etwas zum Schmunzeln:

ZeroHedge spielt darauf an, dass in der Regel das Gegenteil von dem passiert, was uns die Politiker sagen. Also abwarten.
12:50
Die Jungs von der FT zitieren Analysten von Strategy Economics. Kurz: Italien ist nicht insolvent, sondern nur illiquide. Heißt: Die Märkte irren.
Italian debt is starting to spiral out of control, and it is too late for political reform to make any difference now. Even if a new Prime Minister can push through structural reforms that lift the growth rate significantly – and there is no reason to think they can – that will take years to work. Italy doesn’t have years.
Die Frage ist nur: Wann holt die EZB ihre Geldbörse raus und kauft im großen Stil italienische Bonds?
12:10
10-jährige Staatsanleihen von Italien werden mit Zinsen von 7,40% gehandelt. Das ist ein Anstieg von über 9,5% seit heute früh.

Quelle: Bloomberg
Bild © Thommy Weiss / PIXELIO
Hat zuwi.at gegründet und studiert in Wien. Mehr von ihm gibt es laufend auf Twitter (folgen) und in ausführlicherer Form auf Facebook (abonnieren).
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Danke für die gute Übersicht. Die Überschrift halte ich aber für überzogen. Auch am Finanzmarkt agieren Menschen, und so ist das Handeln der Akteure auch nicht so geheimnisvoll. Italien kann einen Ausfall seines Beitrags zum Rettungsschirm und eine massive Rekapitalisierung seiner Banken nicht stemmen, und die Wirtschaft wächst schon seit Jahren real kaum mehr. Aus den Schulden rauswachsen geht also auch nicht. Und die wankelmütige Politik macht das ganze nicht einfacher. Wenn man jetzt noch die Pleite von MF Global mitbedenkt, die von Investitionen in Verbindung mit südeuropäischen Ländern herrührt, ist die Verunsicherung perfekt. Jetzt mal eine Frage: Wieviele Menschen wären bereit, jetzt unter diesen Umständen ihre Ersparnisse in italienischen Staatsanleihen zu veranlagen? Eben.
Italien hat hohe Schulden und noch nie die Maastrichtkriterien erfüllt. Das ist klar.
Aber kann mir jemand bitte erklären, wieso ausgerechnet jetzt plötzlich die Schulden Italiens derart ein Problem sind, wo diese doch seit 1995 in Relation zum BIP nicht gewachsen sind?
Siehe: http://www.google.ch/publicdata/explore?ds=ds22a34krhq5p_&met_y=gd_pc_gdp&idim=country:it&dl=de&hl=de&q=staatsverschuldung+italien
Von dahher bin ich eigentlich überzeugt, dass wir es hier nicht mit einem zweiten Griechenland zu tun haben, sondern Italien schlichtweg illiquid ist und auf Grund der fehlenden eigenen Währungspolitik nicht fähig ist, dies zu beheben. Natürlich müsste auch die Wettbewerbsfähgikeit Italiens gehoben werden, aber das ist eine andere Geschichte.
Damit wäre genau das eingetreten was Krugman schon vor Jahren erzählt hat in seinem Buch “The Accidental Theorist (1994)”. Darin beschreibt er ziemlich genau, was eine gemeinsame Währung in Europa für Auswirkungen haben wird. Ich hab das Buch vor 2 Wochen gelesen und die Vorraussagen von Krugman stimmen derart genau, dass man ihm gleich einen zweiten Nobelpreis verleihen sollte.
@Hollerbusch: Klar agieren auf dem Finanzmarkt Menschen. Natürlich wären auch Alternativen wie “Händler verlieren Vertrauen in Italien” annehmbar, aber man ist als Publizist oft zur Übertreibung hingerissen, zumindest was die Titel anbelangt.
@Christian: Bin da bei dir. An den “fundamentals” hat sich nichts wesentlich verändert.
Mittlerweile ist Italien auch wieder auf 6,45% (10-jährige Bonds). Ist natürlich die Frage, welchen Anteil die EZB daran hat.