Eurokrise: Zinsen-Party im Zentrum Europas

16. Juni 2012 Andreas Sator 11 Comments

In unsicheren Zeiten wie diesen flüchtet das Geld gerne in sichere Häfen. Zwei davon liegen im Kern Europas: Deutschland und Schweiz. Im Zentrum eines Kontinents voller Probleme scheint die Krise dort nicht ankommen zu wollen. So wurde die Wachstumserwartung für die Schweiz erst vor kurzem kräftig nach oben geschraubt.

Das drückt sich auch in der Rendite für 10-jährige Staatsanleihen aus. Während Länder wie Spanien an den hohen Zinsen zu ersticken drohen, können sich die deutschsprachigen Stabilitätshorte – ja, auch Österreich – immer billiger refinanzieren.

Quelle: Bloomberg

Die Grafik zeigt die prozentuelle Veränderung der Rendite der 10-jährigen Staatsanleihen seit Juni 2007, also mit Beginn vor 5 Jahren. Spanien findet sich oben in rot, Österreich in hellem orange, Deutschland in grün und die Schweiz ganz unten in dunklerem orange.

Die Schweizer Anleihen werden mit einem halben Prozent Rendite über 10 Jahre gehandelt. Sie ist damit seit Juni 2007 um über 80% (!) eingebrochen. Dagegen wirkt Deutschland – mit einer Rendite von gut 1,4% – wie kurz vor dem Staatsbankrott.

Andreas Sator

Hat zuwi.at gegründet und studiert in Wien. Mehr von ihm gibt es laufend auf Twitter (folgen) und in ausführlicherer Form auf Facebook (abonnieren).


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11 Comments → “Eurokrise: Zinsen-Party im Zentrum Europas”

  1. RealBorg 4 years ago  

    Als die Immobilienkrise in den USA ausgebrochen ist und die FED bereits massiv die Zinsen gesenkt hat, hat die EZB die Zinsen in der Eurozone noch erhöht und die Krise nach Europa geholt.

    Dann hat die EZB die Banken mit billigem Geld versorgt und einen Schuldenschnitt für Griechenland inszeniert. Das war ein fatales Signal an die Banken, nur noch die Länder mit hoher Bonität zu versorgen. Und genau das machen sie heute.

    Tom

  2. Andreas Sator 4 years ago  

    Es ist schon sehr wagemutig, die Zinserhöhung der EZB um 0,25% im Juli 2008 als Ursache für das Überschwappen der Krise nach Europa zu sehen, war es doch viel mehr die Verstrickung der Finanzmärkte, die auch in Europa wie wild gezockt haben, und die Größe der amerikanischen Volkswirtschaft, die noch immer mit Abstand die einflussreichste am Globus ist.

    Auch halte ich es für einen Trugschluss, dass der Schuldenschnitt Griechenlands das Vertrauen der Investoren in die Peripherie geschwächt hat (zumindest nicht zu einem wesentlichen Teil). Die Renditen waren vorher schon im Himmel und der Haircut erst später eine Reaktion darauf.

  3. Justas Mundeikis 4 years ago  

    Ich gebe Andreas Recht. Betrachtet man damalige Situation, so waren aussagekräftige Daten zur nachhaltigen Erholung der europäischen Wirtschaften vorhanden. Ferner wurde die Inflationsgefahr größer, was die ECB eben dazu verleitet hatte, das Ihren Mandat zu erfüllen. Im Nachhinein ist jeder schlauer. Weder hat die Erhöhung um 25 Basispunkte die Erholung gestoppt, noch war sie für die weiteren Verlauf Ausschlaggebend. Vielmehr waren es „alte Probleme“ die durch die Turbulenzen und schwindenden Vertrauen der Finanzmärkte zum Vorscheinen gekommen sind.

    Der Schnitt bei Griechenland hat in der Tat das Vertrauen der Finanzmärkte geschwächt. Jedoch meine ich das Vertrauen in die Funktionalität und Agilität der ECB/EC/IMF. Die Politiker haben deutlich gemacht, wie schwer es ihnen fällt für die Finanzbranche „unangenehme“ schritte zu unternehmen und wie groß doch der Angst vor Ratingagenturen ist. Denn die Abschreibung, so geringe finanzielle Folgen sie auch hatte, war längst von Finanzmärkten erwartet. Aber nur dank starker Lobbyarbeit wurde dieser Schritt viel zu lange hinausgezögert und hat, meines Erachtens, daher mehr geschadet, als wenn es noch im April/Mai 2011 erfolgt gewesen wäre.

  4. Geert 4 years ago  

    @Tom
    Schön analysiert. Ich denke auch, dass es absolut falsch und schlicht fahrlässig gewesen ist Banken implizit ein Ziel vorzugeben und damit die finanzielle Hierarchie nur weiter zu zementieren.

  5. Christian 4 years ago  

    Schade dass die Daten nicht über einen längeren Zeitraum gezeigt werden, denn dann würde man sehen, dass vor dem Euro die Zinsen in der Euro-Peripherie ebenfalls schon hoch waren.
    Mit dem Euro kam viel billiges Geld nach Spanien und Griechenland. Die Krise zeigte dann, dass das viele billige Geld nicht zu nachhaltigem Wachstum führte sondern zu einer Blase oder einfach verkonsumiert wurde.
    1990 waren die Zinsen in Spanien in etwa bei 14% und die Immopreise verdreifachten sich seit der Euroeinführung -> Immoblase. Dazu kamen die geringen Eigenkapitalanforderungen in Spanien.
    Durch diese Immobilienblase ausgelöst stieg die Privatverschuldung, denn Wohneigentum wurde für Spanier unerschwinglich aber die niedrigen Zinsen und EK-Quoten boten hohe Anreize sich zu verschulden.
    Heute sieht man durch diese Krise und dem Platzen der Blase, dass diese Zeit der Niedrigstzinsen nicht sinnvoll genutzt wurde.
    Eine Verfehlung der Banken erkenne ich hier nicht. Gerade die spanischen Banken waren keine Spekulanten sondern eher klassische Häuslfinanzierer oder eben in diesem Fall Finkacinazierer.
    Was passiert in einer Situation hoher Kapitalzuflüsse (durch niedrige Zinsen, hohe Subventionen und ausländisches Kapital dank hoher Renditen) und somit steigender Inflation? Die Zinsen werden angehoben. Doch wie soll dies geschehen in einer Gemeinschaftswährung?
    Kantoo hat schon einiges darüber geschrieben, aber nichts passierte, was einer Zinsanhebung gleich kommt und die Inflation bremsen könnte.
    Wieso soll also eine Minimalerhöhung der EZB eine Krise verursachen?

    Was ich mich noch frage ist, was sich die Befürworter von Eurobonds erwarten, dass mit den daraus erhofften niedrigeren Zinsen passiert? Jahrelang wurde mit diesen niedrigen Zinsen (ob diese nun gewollt waren oder nicht) nichts nachhaltiges geschaffen. Spanien und Griechenland haben heute stark negative Leistungsbilanzen.
    Das soll sich jetzt ändern?
    Angenommen man könnte Griechenland und Spanien nochmals Zinsen auf einem 3-5% Niveau für die nächsten 10 Jahre garantieren, würden diese Länder dadurch wettbewerbsfähiger sein nach diesen 10 Jahren wenn der Zinssatz wieder dem Markt überlassen wird?

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