17. November 2011 Andreas Sator 2 Comments
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Wer zur Entspannung durch die Zeitung seines Vertrauens blättert, der überspringt dieser Tage wohl den Wirtschaftsteil. Italien hin, Griechenland sowieso. Der Euro kaputt? Die nächste Wirtschaftskrise vor der Tür. Zeit, einen Blick auf die Lage Österreichs zu werfen. Sind wir schon mit im Strudel?
Österreich ist wirtschaftlich hoch vernetzt. Vor allem die Lage der Länder Europas ist entscheidend, verkaufen wir dorthin doch mehr als 4 von 5 Exportgütern (2010: 82,1%; Quelle: ÖBFA: 5).
Das WIFO sieht den Euroraum in der zweiten Hälfte 2011 stagnieren. Die Wirtschaft wächst also nicht mehr. Das hat auch unmittelbar Einfluss auf Österreich. Im dritten Quartal wuchs die Wirtschaft Österreichs noch um 0,3% (zum Vergleich: die Eurozone um 0,2%, die USA um 0,6%). Für das vierte Quartal jedoch rechnet man unisono mit Stillstand. Die vierteljährlichen Wachstumsraten Österreichs seit 2007 zur Veranschaulichung:

Mehr Arbeitslose
In puncto Arbeitslosigkeit rechnet das IHS für heuer mit einem Rückgang auf 6,7%. Nächstes Jahr soll diese Zahl wieder leicht auf 6,9% ansteigen. Es werden zwar weiterhin zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen, so geht man aus, doch ist die Menge der neu in den Arbeitsmarkt strömenden Menschen größer.
Banken mit Verlusten
Auch die österreichischen Banken haben derzeit zu kämpfen. Die Europäische Bankenaufsicht hat ja erst kürzlich beschlossen, dass diese bis Juni 2012 eine Kernkapitalquote von 9% erreichen müssen. Raiffeisen muss demnach 1,9 Milliarden aufbringen, ist aber zuversichtlich das alleine zu schaffen. Der Volksbanken-Gruppe Der Österreichischen Volksbanken-AG fehlt knapp eine Milliarde. Weil sie seit Jahren Verluste schreibt, verlieren bis 2013 500 Leute ihren Job (das ist die Hälfte des Personals!).
Die Bank Austria, deren italienische Mutter Uni Credit erst einen Verlust von über 10 Milliarden € bekanntgab, will bis 2015 800 Stellen abbauen. Die Erste Bank, die vor einigen Wochen mit einem Verlust von 800 Millionen € auf sich aufmerksam machte, braucht nur zusätzliche 59 Millionen €, um die vorgegebene Kernkapitalquote zu erreichen.
Die negativen Zahlen bergen Sprengkraft: verknappen die Banken die Kredite an Unternehmen, würgen sie damit die Wirtschaft ab. Der Trend geht in diese Richtung, wie eine Grafik der OENB zeigt:

Österreich und die Finanzmärkte
Die Händler verlieren immer mehr das Vertrauen in die europäischen Länder. In den letzten Tagen ist auch Österreich in den Blickpunkt gerückt. Die Regierung hat daraufhin eine Schuldenbremse in der Verfassung verankert. Die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur beruhigt mit ihrem aktuellem Investorenbericht vom 14.11. die Anleger. Die Zinszahlungen Österreichs sind im Verhältnis zum BIP absolut verträglich:

Die Finanzmärkte beeindruckt das reichlich wenig. Zu abhängig ist Österreich von der Lage der Weltwirtschaft. Die Zinsen auf 10-jährige Staatsanleihen sind seit Anfang November um knappe 30% gestiegen (das trifft Österreich aber erst, wenn es neue Anleihen ausgibt):

Quelle: Bloomberg
Auch die Versicherungskosten für Anleihen steigen. Mittlerweile liegen die CDS (Kreditausfallsversicherungen) bei knapp 214 Punkten. Das heißt, dass ein Anleger, der im Besitz von österreichischen Staatsanleihen ist und sich gegen einen Zahlungsausfall versichern möchte, 2,14% pro Jahr dafür zahlen muss.

Quelle: Bloomberg
Was nun?
Österreich steht grundsätzlich nicht schlecht da und hat im Vergleich mit dem Euroraum sowohl weniger Arbeitslose als auch bessere Wirtschaftsdaten. Das hilft uns aber alles nichts, wenn die Weltwirtschaft einbricht. Ob diese einbricht, liegt zu einem großen Teil in den Händen der Politik. Die Stimmen werden lauter, dass der übermäßige Schuldenaufbau der letzten Jahre und Jahrzehnte nur durch einen großen Crash “geheilt” werden kann. Die europäische Politik wird alles versuchen, um das zu vermeiden. Der Ball liegt in ihrer Hand.
Bild © Rike / PIXELIO
Gründer von zuwi.at. Andreas studiert in Wien und interessiert sich für alles was mit Wirtschaft und Politik zu tun hat.
Ausblick, Eurokrise, Österreich, Rezession, Stagnation, Wachstum, Wirtschaft Eurokrise
Die Volksbanken haben mehr als 540 Geschäftsstellen und sicher mehr wie tausend Angestellte. Bitte um Korrektur in diesem Punkt.
Ansonsten muss man sich fragen wie sehr die Politik Schuld daran hat, dass die Banken den Finanzplatz Österreich immer unattraktiver finden und ihn verkleinern. Man denke nur an die Börse, die seit Antritt der Regierung Faymann immer weiter schrumpft und wo es seit Jahren keine Kotierung mehr gab.
Danke für das Feedback. Hab es oben auf “Österreichische Volksbanken-AG” ausgebessert, die hat in Österreich nämlich wirklich nur gut 1000 Mitarbeiter. (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreichische_Volksbanken-Aktiengesellschaft)
Die Volksbanken selbst gehören da nicht dazu. Muss aber zugeben, dass ich selbst nicht mitgedacht habe und mich das Volksbanken-Konstrukt schon länger verwirrt (was gehört jetzt wozu?).