Spanien schrumpft 2012 um 1,3 Prozent

24. Januar 2013 Andreas Sator 3 Comments

Zentralbanken haben in dieser Krise nicht nur den Euro gerettet. Nein, sie versorgen uns auch mit nützlichen Informationen. So wie die Banco de España (BDE), die Zentralbank Spaniens.

Vor gut einer Woche hat die den Quartalsbericht für die letzten drei Monate 2012 veröffentlicht. Und darin stecken auch schon recht genaue Schätzungen zur Entwicklung des ganzen Jahres. Das war mir einen genaueren Blick wert.

Wirtschaftsleistung

  • Das BIP ist 2012 um 1,3% geschrumpft
    • Die Inlandsnachfrage ist um 3,9% eingebrochen
    • Der Außenbeitrag (“net external demand”, Exporte minus Importe) beträgt + 2,6%, sowohl fallende Importe als auch steigende Exporte haben dazu beigetragen
      • Die Exporte sind um 3,3% gestiegen, die Importe um 5% gefallen

Quelle: Banco de España

 

 Arbeitslosigkeit

  • Die Arbeitslosigkeit ist um 4,3% gestiegen, im dritten Quartal waren 25% der Spanier ohne Job
    • Zum ersten Mal seit Ausbruch der Krise ist auch der Stand der öffentlich Bediensteten gesunken
  • Der durchschnittliche Arbeitnehmer hat um etwa 0,6% weniger verdient als ein Jahr zuvor. Stark dazu beigetragen haben öffentliche Bedienstete

 

Inflation

  • Die Inflation betrug 2,9%
    • Damit liegt sie 0,8% über dem Euro-Schnitt
    • Vor allem höhere Energiepreise und die MWST-Erhöhung zeigen sich dafür verantwortlich
    • Die BDE schätzt, dass sich Spanien 2013 wieder an die Eurozone anpasst, weil die temporären Effekte dann weg sind
  • Die BDE rechnet dann mit einem HICP von unter 2%  (HICP = harmonisierter Verbraucherpreisindex; diese Maßeinheit wird für die standardisierte Berechnung der Inflation im Euroraum verwendet)

 

Finanzmarkt

  • Spanien muss auf 10-jährige Anleihen nur mehr 5,1% bezahlen (Anmerkung: seit dem Druck des Berichts ist die entsprechende Rendite bereits auf 5,01% gefallen, Stand 24.1. abends)
  • Im viertel Quartal sind die Aktienpreise (IBEX 35) um 6% gestiegen, über das Jahr bleibt trotzdem ein Minus von 5,3%
  • Die Preise am Immobilienmarkt sind auch in den letzten Monaten des Jahres 2012 gefallen
  • Für Unternehmen ist es weiterhin schwer, an Kredite zu kommen

Alles in allem also keine wirkliche Erholung in Sicht. Der spanische Aktienmarkt lässt hoffen, die Kürzungen der Regierung und die hohe Arbeitslosigkeit sind aber Gift für jede wirtschaftliche Entwicklung. Was 2013 bringt, wird sich erst zeigen.

Titelbild: Stephanie Hofschlaeger  / pixelio.de

Andreas Sator

Hat zuwi.at gegründet und studiert in Wien. Mehr von ihm gibt es laufend auf Twitter (folgen) und in ausführlicherer Form auf Facebook (abonnieren).


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Arbeitslosigkeit, Euro, Krise, Spanien Eurokrise

3 Comments → “Spanien schrumpft 2012 um 1,3 Prozent”

  1. Michael 4 years ago  

    Das sog. sich am Wege der Besserung befinden basiert auf den reduzierten Importen. An sich nicht verwunderlich.

    Die Arbeitslosigkeit der unter 25 jährigen ist zurückgekehrt auf das Niveau der 90er. Ich traue den Statistiken nicht ganz. Seit ca. 2009 fallen wieder Menschen dieser Altersgruppe aus der Statistik raus.

    Der Anstieg bei der über 25 jährigen, reifere Arbeitnehmer und teils rutschen ehem. unter 25 jährige nach. In der zuletzt genannten Gruppe hat sich die Arbeitslosigkeit verfünffacht gegenüber den 80ern und seit Mitte der 90er verdoppelt. Wahrlich bedenklich.

    Am Wege der Besserung ist gar nicht viel, wie zurecht bemerkt.

  2. Clemens 1 year ago  

    Wir schreiben das Jahr 2015 und in Spanien geht es noch nicht wirklich besser. Hohe Arbeitslosenzahlen, aber immerhin die ersten Anzeichen einer Erholung. Kein Wunder, denn wenn man ganz unten ist, kann es fast nur mehr bergauf gehen. ;-)

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  1. Kleine Presseschau vom 25. Januar 2013 | Die Börsenblogger - 4 years ago

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