Das nächste Rettungspaket für Griechenland, einfach erklärt

28. November 2012 Andreas Sator One Comment

Lange hat es gedauert, und schlussendlich ist das Ergebnis sogar mehr als Kosmetik.

Das neue Ziel: Bis 2020 will man die griechische Schuldenquote auf 124% drücken (vorher: 120%). Das klingt nach wenig. Ist es aber nicht. Denn die 120% wollte man ohne die jetzt beschlossenen Maßnahmen erreichen. Endlich hat man auch in Brüssel kapiert: Dass das mit Griechenland bis 2020 alles schon irgendwie wird, glaubt uns keiner mehr. Was neu ist, Punkt für Punkt:

  • Die Zinsen für griechische Hilfskredite werden gesenkt.
    • Die Zinsen auf Kredite aus dem ersten Bailout werden um 1% gesenkt. Das soll die Schuldenquote um 2% verringern. Für einige Euroländer könnte das teuer werden, müssen sie die Kredite doch selbst am Markt aufnehmen und dafür teilweise mehr bezahlen. Aus dem Kredit wird so ein Teiltransfer von Geld.
    • Die Zinszahlungen aus dem zweiten Bailout werden um zehn Jahre aufgeschoben, die Kredite selbst um 15 Jahre verlängert.
  • Griechenland soll Geld dafür bekommen, seine eigenen Anleihen zurückzukaufen. Wie das genau ablaufen wird, weiß im Moment noch niemand. Der IWF will deshalb bis alles geklärt ist auch kein Geld mehr beischießen.
    • Was bringt ein Anleihenrückkauf? Der Gedanke: Die griechischen Anleihen sind am Markt sehr billig. Anleihen mit einer Laufzeit von etwas mehr als 10 Jahren notieren derzeit bei 35,2 Punkten. Das heißt: Für das Versprechen, zu Beginn des Jahres 2023 die geborgten 100€ zurückzubekommen (inklusive jährlichen Zahlungen von Zinsen), muss man derzeit 35,20€ bezahlen. Kauft Griechenland die Anleihen jetzt selbst zurück, zahlt es nur ein Drittel. Über den Nutzen herrscht unter Ökonomen aber Zweifel.
  • Gewinne, die die EZB mit griechischen Anleihen gemacht hat, sollen nach Griechenland überwiesen werden. Das soll die Schuldenquote um 4,6% drücken.
    • Wieso hat die EZB Gewinne mit griechischen Anleihen gemacht? Um die Zinsen auf Anleihen zu senken, hat die EZB Anleihen aufgekauft. Weil die relativ billig waren (siehe Erklärung zuvor), und Griechenland Teile davon bereits zum vollen Nominalwert bedient hat (also zu 100€ im Gegensatz zum Kaufwert von 35,20€ zuvor), hat die EZB Gewinne erzielt.
    • Das Geld das Griechenland so bekommt soll aber nur für die Rückzahlung von Krediten verwendet werden dürfen.

Die Financial Times schreibt: Der Großteil der geplanten Entlastung bleibt am Anleihenrückkauf haften. Die Anleihen werden übrigens bereits immer teurer. Kein Wunder: Bald gibt es einen fixen Abnehmer für die Papiere, den griechischen Staat.

PS: Einen guten Kommentar zum Status Quo hat Thomas Mayer auf derStandard.at geschrieben.

Titelbild © Dieter Schütz / pixelio.de

Andreas Sator

Hat zuwi.at gegründet und studiert in Wien. Mehr von ihm gibt es laufend auf Twitter (folgen) und in ausführlicherer Form auf Facebook (abonnieren).


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