Die Verschuldung des Staates Österreich im Detail

20. Dezember 2010 Andreas

Vor zwei Wochen gingen wir der Frage nach, wie es offiziell um den österreichischen Haushalt beschaffen ist. Nicht allzu rosig, stellten wir fest. Heute liefern wir einige Informationen nach.

Auf Anfrage beim Finanzministerium habe ich nähere Infos zur Verschuldung des österreichischen Staates erhalten. Leider dienen als Basis der Aufgliederung, bei wem Österreich verschuldet ist, nur die letzten 4 syndizierten Anleihen.

Bei syndizierten Begebungen werden die Anleihen an ein Bankenkonsortium vergeben, die das Gesamtvolumen der ihr angebotenen Anleihen aufkauft und von sich aus dann wiederum an Investoren weitergibt.

Diese Gläubiger kann man auch noch nach geografischen Aspekten aufschlüsseln:

Primary Dealer

Über die österreichische Bundesfinanzagentur habe ich außerdem noch die Top-Abnehmer (Primary-Dealer, welche die Anleihen zumindest teilweise weitergeben) österreichischer Bundesanleihen des Jahres 2010 gefunden (in Klammer die Platzierung 2009).

  1. Deutsche Bank (6.)
  2. HSBC France (1.)
  3. BNP Paribas (3.)
  4. Goldman Sachs (5.)
  5. Morgan Stanley (2.)
  6. Societe Generale (20.)
  7. Citigroup (4.)
  8. Royal Bank of Scotland (7.)
  9. Erste Group (18.)
  10. Nomura (11.)

Eine Anfrage über eine genaue Auflistung der Gläubiger der österreichischen Staatsschuld liegt bereits im elektronischen Postkasten des Finanzministeriums.

Da laut Finanzministerium ca. 92% der Verschuldung fungibel ist (d.h. diese Papiere können jederzeit den Inhaber wechseln), bin ich mir nicht sicher, ob hier umfassende Statistiken verfügbar sind. Fragen kostet aber nichts.

Zeitliche Struktur

Die Gefahr, dass Österreich in nächster Zeit zahlungsunfähig wird, ist eher klein, da das Gros der Anleihen erst in 5 Jahren oder später fällig wird.

Achtung: Diese Grafik bezieht sich im Gegensatz zu den beiden obigen auf alle derzeit im Umlauf befindlichen Anleihen.

Tatsächliches Verschuldungsausmaß

Was außerdem noch interessant ist, ist das wahre Ausmaß der österreichischen Verschuldung. Das Hayek Institut beziffert die zusätzliche Verschuldung durch langfristige Verbindlichkeiten staatlicher Unternehmen auf 38,8 Mrd. €.

Das WIFO laut Kurier auf gut 50 Mrd. € (36 Mrd. von ASFINAG, ÖBB, BIG, 12,5 Mrd. auf Gemeindeebene und 2,2 Mrd. auf Landesebene, hier vor allem durch ausgegliederte Krankenhausbetreibergesellschaften).

Eine Anfrage über eine genauere Auskunft zur tatsächlichen Staatsverschuldung habe ich an den Bundesminister für Finanzen via meinparlament.at geschickt. Dort steht sie nun seit 2 Wochen, bisher leider unbeantwortet.

Sobald mehr Infos zu uns dringen, werden sie hier veröffentlicht. So stay tuned!

Bild “Lupe”: © Paul Golla / PIXELIO

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12 Comments → “Die Verschuldung des Staates Österreich im Detail”

  1. franzschalk 1 year ago  

    hallo, bin sehr an der staatsverschuldung interessiert und schreib auch grad ne arbeit drueber… koenntest du mir eventuell die datenbasis fuer deine grafiken schicken (quellen). waere dir sehr dankbar.

    danke

    ciao franz

  2. Andreas 1 year ago  

    Hallo!

    Einige Quellen wie die ÖBFA sind bereits oben verlinkt. Die Datei, die ich vom Finanzministerium habe, habe ich dir bereits per Mail geschickt.

    Wenn du weitere Infos brauchst oder Fragen hast, melde dich.

    LG,
    Andreas

  3. Celian 9 months ago  

    Hallo Andreas!

    Gibt es schon Neuigkeiten vom Finanzministerium? Mich würde interessieren, wer nun genau die Käufer österreichischer Staatsanleihen sind. Sind es die Chinesen? Oder US-amerikanische und englische Private? Würde ein Haircut (in 5 jahren) viele Private um ihr Erspartes bringen? Oder “nur” Großinvestoren?

    Wohin gehen die Zinsen? Vielleicht kann man ja durch die Zinsflüsse herausfinden, wer nun tatsächlich Staatsanleihen hält.

    Leider wird sowas immer unter der Tuchent gehalten. Und es ist immer nur von den bösen Kapitalisten die Rede. Betroffen macht ja schon mal die Erkenntnis, dass nur 18 % der Anleihen in Österreich abgesetzt werden. Das heißt unser Staat ist in hohem Maß vom Goodwill ausländischer Investoren abhängig.

    liebe Grüße

  4. Andreas 9 months ago  

    Hallo!

    Ich habe noch keine Neuigkeiten vom Finanzministerium erhalten, werde aber an der Sache dran bleiben und bei Zeit eine nähere Recherche starten.

    Ja, in einer globalisierten Welt sind internationale Abhängigkeiten im Anleihenbereich Usos (von Japan abgesehen).

    LG,
    Andreas

  5. waxolunist 9 months ago  

    Lieber Celian

    Auch auf die Gefahr hin dein Weltbild zu zerstören. Es sind selten private die in Staatsanleihen investieren. Meistens sind es grosse Fonds. Die grössten Fonds sind Pensionsfonds.
    Es würde also im Alter viele Menschen in die Armut treiben und die Sozialwerke belasten, also den Steuerzahler wiederum.
    Vielleicht denkst du mal drüber nach und teilst deine Welt nicht mehr in einfach böse Reiche und gute Arme ein.

    Lg

    Christian

  6. Hannes 4 months ago  

    Hallo Andreas,
    habe mit Interesse Deinen Artikel über die Staatsverschuldung gelesen (und schätze auch über die anderen in Deinem zuwi-archiv).
    Nun eine Frage:
    In einem Artikel der Presse vom April 2010, den ich zufällig aufgehoben hatte, werden die Staatsschulden pro Kopf mit 24.132 Euro angegeben. Laut >staatsschulden.at< sind es heute 28.775 Euro; also 19% mehr in 18 Monaten. Kannst Du mir Laien vielleicht erklären worauf dieser gewaltige Anstieg zurückzuführen ist? Danke
    LG – Hannes

  7. waxolunist 3 months ago  

    Zum einen weil es unterschiedliche Arten der Erhebung gibt, zum anderen weil die EU die Regeln über die Anrechnung von ausgelagerten Schulden geändert hat (ÖBB, Asfinag) zum Dritten weil es einfach mehr gewordrn ist.
    Ich hab die Daten jetzt nicht genau verglichen mit anderen Daten, aber man müsste auch nachsehen sind Gemeinden, Länder und andere Gebietskörperschaften dabei oder nur der Bund.
    Man kann dies meist nicht ganz genau erfassen. Genauso wie man das BIP nicht auf die Kommastelle genau kennt.
    Aber man weiss, die Schulden sind sehr hoch. Und es geht noch höher, vor allem Nominal.

  8. Andreas 3 months ago  

    @Hannes:

    Im April wurde der Schuldenstand aus technischen Gründen hochgeschraubt (http://zurpolitik.com/2011/04/03/mehr-transparenz-bringt-mehr-schulden/). Ansonsten hat es Christian (waxolunist) schon richtig beschrieben: Es wird oft eine unterschiedliche Basis zur Berechnung verwendet (was kommt rein, was nicht). Ich richte mich immer nach Statistik Austria (http://www.statistik.at) und eurostat (http://ec.europa.eu/eurostat).

  9. Bernhard 3 months ago  

    Hallo Andreas,

    zu den Primary Dealern: sind SIe sicher, dass das, was da auf Rang 5 herumkreucht, Morgan Stanley ist, und nicht etwa JPMorgan Chase?

    LG, Bernhard

  10. Andreas 3 months ago  

    Hallo!

    Die Statistik habe ich von der ÖBFA, deshalb gehe ich davon aus, dass das so stimmt.

    LG

  11. Lisa 2 months ago  

    Lieber Andreas,

    danke für diese super Datenaufarbeitung. Ich könnte die Daten auch sehr gut gebrauchen – könntest du mir die Mail weiterleiten? Wenn nicht muss ich wohl selbst eine Anfrage stellen :)

    Danke

  12. Andreas 2 months ago  

    Liebe Lisa,

    ich habe vor einiger Zeit mein Mail-Postfach mal geräumt, daher gibt’s die Mail leider nicht mehr.

    Das Finanzministerium ist dir aber sicher gerne behilflich ;)

    Liebe Grüße,
    Andreas

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