Wohlstand ohne Wachstum?

8. Oktober 2010 Andreas Sator 2 Comments

Wirtschaftswachstum sorgt anfangs unbestritten für Wohlstandsgewinne. Das beweisen Schwellenländer wie Brasilien oder Indien, aber auch historisch reichere Länder des sogenannten Nordens. Ohne Wachstum würde es niemals diesen materiellen Reichtum geben, welcher heute in Ländern wie Österreich überwiegt.

Nach einer gewissen Zeit werden aber keine großen Wohlstandsgewinne mehr erreicht. Das wirtschaftliche Wachstum muss aber trotzdem aufrecht erhalten bleiben, weil der Kapitalismus ohne nicht funktioniert. Um das mit ein bisschen Polemik zu benennen, braucht man den Titel dieses Textes nur umzudrehen. Dann herrscht „Wachstum ohne Wohlstand“.

Doch wozu brauchen wir dieses Wachstum? Es ist simpel. Ein Unternehmer borgt sich Geld von einer Bank, das er inklusive Zins wieder zurückbezahlen muss. Die Investition, die er mit dem geliehenen Geld finanziert, muss nun mehr Gewinn abwerfen, als er Geld an die Bank zurückbezahlt. Sein Unternehmen muss also wachsen.

Ökologisch gesehen ist das aber zusehend ein Dilemma und so ist Wachstum auch bei prinzipieller Funktionalität als durchaus problematisch anzusehen. Ein exponentieller Anstieg des Bruttoinlandprodukts in der jetzigen Form stößt aufgrund endlicher Ressourcen zwingendermaßen auf Grenzen. Eine intakte Natur steht überdies hoch oben auf der Agenda, ist sie doch Basis einer unseren Bedürfnissen entsprechenden Lebensqualität.

Die Menschheit steht vor der Aufgabe eine Synthese aus Ökologie und Ökonomie zu finden. Man kann die Dynamik, die der Kapitalismus zweifelsfrei inne hat, für einen Umschwung nutzen. Grünes Wachstum heißt die Devise. Hier kann und soll der Staat auch lenkend eingreifen und Anreize für gewünschtes Verhalten liefern, sowohl für Haushalte als auch Unternehmen. Dass er bei öffentlichen Projekten als Vorbild fungieren muss, ist selbstredend. In den Bereichen Energie und Mobilität ist großes Potential vorhanden. Die Art, wie wir Häuser bauen, uns fortbewegen, Güter des täglichen Bedarfs produzieren. Es gibt massenhaft Ideen und der Markt hat sich in den letzen Jahren betreffend „Green Revolution“ deutlich weiterentwickelt. Und wird das auch in Zukunft tun. Die eine oder andere Innovation in diesem Bereich wird uns die Veränderung bestimmt erleichtern. Das soll aber nicht heißen, dass sie von sich aus geschieht.

Denn auch in den Köpfen der Menschen muss sich etwas ändern. Es muss hinterfragt werden, ob Produktivitätsfortschritte immer durch einen Anstieg des Konsums kompensiert werden müssen. Genügsamkeit ist ein Gebot der Stunde, vor allem wenn man bedenkt, dass in großen Teilen der Welt noch industrielle Entwicklungen bevorstehen. So gibt es in China etwa weniger Autos als in Deutschland, obwohl die Asiaten mehr als 15 Mal so viele Einwohner zählen.

Ein wichtiger Schritt wäre auch die Schaffung einer Alternative zum Wohlstandsindikator „BIP pro Kopf“. Das BIP misst nur materielle Werte, was dessen Berechnung vereinfacht aber die Aussagekraft deutlich reduziert. Alternativen zur Ermittlung wahrer Lebensqualität sind im Kommen, sollten von der Politik aber trotzdem aktiv gefordert und gefördert werden.

Alles in allem muss sich sowohl die politische Klasse als auch die Gesellschaft dem Prinzip Nachhaltigkeit unterwerfen. So kann abseits von Untergangsszenarien wie weitflächig zerstörter Natur oder zukünftig verarmten Generationen Wohlstand mit Wachstum vereinbart werden.

Bild “Finanzen”: © Gerd Altmann/all-silhouettes.com / PIXELIO

Diesen Artikel habe ich anlässlich einer Bewerbung für ein Uni-Programm verfasst (Vorgabe: A4-Seite mit Titel “Wohlstand ohne Wachstum”). Da er thematisch zu zuwi.at passt und diese Materie in Zukunft noch eine große Rolle spielen wird, wurde er auch hier veröffentlicht.

Andreas Sator

Hat zuwi.at gegründet und studiert in Wien. Mehr von ihm gibt es laufend auf Twitter (folgen) und in ausführlicherer Form auf Facebook (abonnieren).


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Kapitalismus, Kritik, Wachstum, Wirtschaft, Wirtschaftswachstum, Wohlstand Wachstum

2 Comments → “Wohlstand ohne Wachstum?”

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